
15. Juni 2005
Vor 60 Jahren, also im Jahre 1945, war so gut wie nichts so, wie Du es heute in Deutschland kennst. Nach dem Krieg war Deutschland zerbombt. Hunderttausende Menschen waren ohne Heimat, Millionen wurden vermisst und zu kaufen gab es fast nichts.
Die alliierten Besatzungsmächte (England, Amerika, Sowjetunion und Frankreich) fanden ein völlig zerstörtes Land vor. Es fehlte nicht nur an Essen, sondern an allem Lebensnotwendigen: Strom, Wasser und Kohle für die Öfen. Die Städte boten ein trostloses Bild mit zerbombten Häusern, unzähligen Obdachlosen (in den Städten waren meist nahezu die Hälfte aller Wohnungen zerstört), Kriegsverletzten, verwahrlosten Heimkehrern aus dem Krieg und trauernden Menschen, da bei etwa 7 Millionen Toten die der Krieg gekostet hatte, fast jeder ein Familienmitglied oder Freunde zu betrauern hatte.
In dem Chaos, das der Krieg verursacht hatte, gingen mehr als 10 Millionen Menschen „verloren“. Das waren nicht nur Soldaten, die aus dem Krieg nicht mehr heimkehrten, sondern auch Eltern, die ihre Kinder vermissten oder aber auch Kinder, die ihre Eltern suchten. Das Rote Kreuz war eine Anlaufstelle für die Menschen, die Angehörige suchten.
Sie hängten Listen aus mit den Namen der Menschen, die gesucht wurden, suchten in Krankenhäusern oder Flüchtlingslagern nach Vermissten. In Zeitungen und Radio wurden noch bis in die 50er Jahre Listen mit gesuchten Personen veröffentlicht. Anfang der 60er Jahre erklärte dann das Rote Kreuz ca. 1 Millionen Menschen für tot, da von diesen kein Lebenszeichen gefunden werden konnte.
Es fehlte überall an arbeitsfähigen Männern, die beim Wiederaufbau der Städte hätten helfen können. Dies übernahmen nun die Frauen. In Berlin zum Beispiel gab es rund 60.000 Frauen, im Alter zwischen 15 und 50 Jahren, die dazu verpflichtet wurden, Schutt zu schleppen, Ziegel zu reinigen und neue Wände zu mauern.
Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Trümmerfrauen“. In der Geschichtsschreibung werden sie gerne erwähnt, da sie auf besondere Art und Weise den Aufbauwillen und die Überlebenskraft der Deutschen in diesen schrecklichen und chaotischen Zeiten symbolisieren.
Zu den Folgen des Krieges gehörten auch die zahlreichen Flüchtlinge aus dem Sudetenland (dies ist ein Gebiet in der frühren Tschechoslowakei, in dem hauptsächlich Deutsche lebten) und aus Polen (in Polen gab es ebenfalls Gebiete, die fast ausschließlich von Deutschen bewohnt waren). Aus diesen beiden Ländern sollten alle Deutschen, nach Deutschland übergesiedelt werden.
Man wollte dadurch vermeiden, dass durch das enge nebeneinander Leben (Polen und Deutsche und Tschechen und Deutsche) neue Krisenherde entstehen. Auf diese Weise kamen nun aber in den ersten Nachkriegsjahren fast 10 Millionen Heimatvertriebene nach Deutschland, die ebenfalls eine Wohnung und zu essen benötigten.
Ein weiteres Problem bestand darin, dass das Geld, das die Deutschen damals besaßen nichts mehr wert war. Es gab nämlich viel zu viel davon. Hitler hatte seinen Krieg hauptsächlich dadurch finanziert, dass er das Geld, das er brauchte, einfach druckte. Dadurch gab es dann aber zu Kriegsende so viel Geld und gleichzeitig so wenig Lebensmittel.
Aus diesem Grund teilten die Alliierten die Lebensmittel den Menschen zu. Jeder sollte Lebensmittel von ca. 1.500 Kalorien pro Tag zugeordnet bekommen. Wenn Du Dir die Kalorienangaben auf einem Schokoriegel ansiehst, dann wirst Du feststellen, dass das gerade mal 1-2 Schokoriegel sind. Also nichts, womit man satt werden könnte.
Um zusätzlich an Lebensmittel oder aber andere dringend benötigte Gegenstände zu kommen, fingen die Menschen an zu tauschen. Am Besten konnte man mit Zigaretten tauschen. Wenn man eine Zigarette hatte, konnte man dafür fast alles bekommen.
Wer gerne mehr darüber erfahren möchte, dem kann die Ausstellung über die Nachkriegszeit in Deutschland empfohlen werden. Sie wird im Augenblick, vom 28.April bis zum 28. August 2005) in Berlin, im Deutschen Historischen Museum, gezeigt. Unzählige Fotos aus dieser Zeit versuchen einem das Geschehene anschaulich und lebendig zu machen, weswegen diese Ausstellung auf jeden Fall ein Besuch wert ist.
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